Interview Peter Zoernack
Frage: Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass „Farbe eben keine Geschmackssache ist“. Warum nicht?
Antwort: Zu dem Thema gibt es immer Diskussionen. Anfangs dachte ich auch, dass Farbe eben Geschmackssache ist. Aber nach einem intensiven
Studium der Farbphilosophie habe ich gelernt, dass sich gute Farbigkeit immer auch begründen lässt. Im Umgang mit der Natur
und bei der Beobachtung, wie Natur mit dem Thema Farbe umgeht, kann man Gesetzmäßigkeiten erkennen. Wenn man diese aufspürt,
versteht und dann umsetzt, sieht man, dass Farbe eben keine Geschmackssache ist.
Frage: Als diplomierter Farbdesigner haben Sie nicht nur Farbkonzepte für Gebäude entworfen, sondern auch für Baumaterialien und
Werkstoffe. Worin liegt der Unterschied, welche Gemeinsamkeiten gibt es? Was macht Ihnen mehr Spaß?
Antwort: Eigentlich gibt es für mich da keinen Unterschied. Die Materialien, für die ich Farben oder ganze Farbsysteme entwerfe, verbaue
ich auch in der Architektur. Bei Projekten fällt mir beispielsweise auf, dass mir eine bestimmte Farbe fehlt, und dann kommt
automatisch auch der Kontakt zu den Herstellern.
Frage: 2008 haben Sie gemeinsam mit den Designern bei Armstrong ein Farbsystem für die neue DLW Linoleumkollektion entwickelt. Wie
war Ihre Herangehensweise?
Antwort: Ich kannte die Kollektion von Armstrong und war mit dem Unternehmen bereits in Kontakt, als sie mich gefragt haben, ob ich
bei dem neuen Farbsystem mitwirken will. Es gab zehn Basisfarben, die ich in die Kollektion integrieren sollte, und um diese
Farben herum habe ich ein stimmiges System entwickelt. Jeden der Farbtöne, die sich in einem Kreis anordnen lassen, gibt es
in drei Helligkeitsabstufungen – so wie in der Natur immer mehrere Nuancen harmonisch zusammenspielen. Das Resultat ist eine
konsequente Kollektion, mit der sich Räume ganz nach Wunsch inszenieren lassen.
Frage: Was war die größte Herausforderung bei der Kollektionsentwicklung?
Antwort: Neben der Herausforderung, die zehn vorgegebenen Farben harmonisch in das System einzubinden war die zweite große Hürde die
industrielle Herstellung – dass die Farben in der Produktion dann genau so angepasst werden konnten, wie ich mir das vorgestellt
hatte. Da haben die Experten bei Armstrong ganze Arbeit geleistet.
Frage: Welche Rolle spielte die Natur bei dem Farbsystem?
Antwort: Die Natur ist alles andere als eintönig, verschiedenste Nuancen liegen eng beieinander, auch das Tageslicht lässt die Farben
im Laufe eines Tages immer wieder anders erscheinen. Farbe ist Bewegung. Auch für die Kollektion habe ich mir die Natur zum
Vorbild genommen und harmonische, aber auch leicht gedeckte, natürliche Farben kreiert.
Frage: Konnten Sie selbst schon das neue Farbsystem ausprobieren, Linoleum aus der Kollektion einsetzen?
Antwort: Mit dem Farbsystem für DLW Linoleum habe ich mir ein Stück weit einen eigenen Traum erfüllt, denn natürlich setze ich die Materialien auch ein. Ich entwickle
die architektonischen Farbkonzepte immer von außen nach innen und dort spielt neben Wänden und Türen der Boden eine zentrale
Rolle. Es ist schön, wenn ich dafür eine exzellente Farbpalette finde.
Frage: Was ist ihre persönliche Lieblingsfarbe? Und warum?
Antwort: Die Lieblingsfarbe der Europäer ist Blau. Meine war sie auch einmal. Aber nach 30 Jahren Farberfahrung habe ich keine persönliche
Lieblingsfarbe mehr, sie sind inzwischen alle meine Freunde geworden. Ihr Zusammenspiel begeistert mich, so wie den Komponisten
das seiner Töne – nicht jeder einzeln für sich, sondern harmonisch in der Komposition.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Kasten: Peter Zoernack hat an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden studiert mit Abschluss Diplom-Farbdesigner. Im Anschluss
arbeitete er 13 Jahre im Studio von Garnier, Hof Iben. 1999 machte Peter Zoernack sich mit einem eigenen Studio selbstständig
und entwickelte u.a. Farbkonzepte für verschiedenste Baumaterialien, für Industriearchitektur, Wohnbauten, öffentliche Gebäude
und Verkehrsbauten. Peter Zoernack war unter anderem an der Entwicklung des Farbsystems für die DLW Linoleumkollektion beteiligt.
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